Texterbörsen im Test: Meine Erfahrungen mit der Contentbörse

Dieses Experiment hat mich 12,00 Euro und viel Zeit gekostet. Herausgekommen sind zwei Texte, die ich erst nicht veröffentlichen wollte, obwohl Sie meine Meinung bestätigen: Wer billig kauft, zahlt doppelt.

Hier beschreibe ich meine Erfahrung mit einer Texterbörse aus Auftraggebersicht.

Contentbörsen: der Content zum kleinen Preis

Zum Anfang meiner Texterkarriere habe auch ich für Content- oder Texterbörsen geschrieben. Zugegeben: Viele Webtexter*innen lernen durch Texterbörsen, dass man mit dem Schreiben überhaupt Geld verdienen kann. Der*die angehende Texter*in kann den Markt anonym testen und ein paar Euro mit dem „Üben“ verdienen. Richtig Geld verdienen lässt sich mit diesen Contentfarmen nur in Ausnahmefällen – zu klein sind die Honorare bei knapp unter (!) einem Cent pro Wort. Bei mir waren das etwa 2 bis 3 Euro die Stunde. Webtexter*innen, die mehr als ein paar Euro nebenher verdienen möchten, zieht es schnell an den freien Markt.

Nach meinen Erfahrungen als Texter*in in diesen Plattformen wollte ich die andere Seite kennenlernen. Geht das wirklich: hochwertiger Content zum kleinen Preis?

Texterbörsen aus Auftraggebersicht

Für meinen Texterbörsen-Test habe ich die Contentplattform Textbroker gewählt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich viele Autor*innen (Schüler*innen, Studierende, Hobbyschreiber*innen und Freelancer) sich auf dieser Plattform tummeln. Ein Auftrag ist innerhalb weniger Minuten vergriffen. Die Qualität der Texte anderer Autor*innen kannte ich bisher aber nicht. Deswegen war ich gespannt auf das Ergebnis und freute mich bald einen „Gastartikel“ auf meinem Blog veröffentlichen zu können.

Die Anmeldung als Auftraggeber*in ist einfach – persönliche Daten eingeben, fertig. 12,00 Euro habe ich in meinen Auftraggeberaccount eingezahlt. Mehr wollte ich für dieses Experiment nicht ausgeben. Mittels Überweisung dauerte es zwei Werktage, bis das Geld – abzüglich Umsatzsteuer – auf meinem Kundenkonto gutgeschrieben wurde. Bei der Erstellung eines Auftrages kann man zwischen 2- 3- 4- und 5-Sterne-Texter*innen wählen. Die ersten drei Kategorien sind sehr günstig. 1,3 bis 2,2 Cent kostet das Wort bei den 2- bis 4-Sterne-Texter*innen. Ab 5-Sternen kostet das Wort 6,5 Cent – für Fachartikel noch immer ein Schnäppchen. Je höher die Anzahl der Sterne, desto höher die Qualität der Texte. So die Theorie.

Das Briefing

Das erste Briefing mit dem Titel „Welche Vorteile hat eine professionelle Webseite für Selbstständige und kleine Unternehmen“ habe ich innerhalb von 45 Minuten erstellt. Es war eine detaillierte Beschreibung mit 300 Wörtern – etwa so lange wie der angeforderte Text. Ich habe es mittels „Open Order“ in die 3-Sterne-Kategorie eingestellt. Als „Open Order“ war dieser Auftrag jedem Texter mit 3-Sternen oder höher zugänglich. Innerhalb von wenigen Stunden hatte ich den ersten Text mit 320 Wörtern für 5,45 Euro.

Für den nachfolgenden zweiten Text reichte mein Guthaben nur für knappe 200 Wörter. Ich erstellte einen Auftrag für das Thema „Texte mit Mehrwert“. Ich schrieb innerhalb weniger Minuten eine Auftragsbeschreibung, welche auf Inhalt, Stil und Ausdruck einging. Auch diesen Auftrag habe ich als „Open Order“ eingestellt. Dieses Mal in der 4-Sterne-Kategorie. In weniger als einer Stunde erhielt ich für 4,62 Euro einen Text mit 329 Wörtern.

Das Ergebnis

  • Der 3-Sterne-Text

Den kompletten Text über die Vorteile einer professionellen Webseite können Sie hier lesen. Das Ergebnis war ernüchternd. Für knappe 6,00 Euro ist der Text genau das, was man für diesen Preis erwarten darf. Meinen Qualitätsanforderungen entspricht er leider nicht. Inhaltlich wirkt der Text wie ein schnell geschriebener SEO-Text. Auf die Vorteile für Selbstständige und kleine Unternehmen (und das war immerhin der Hauptfokus des Textes) ist der Autor nicht eingegangen. Gewünscht hätte ich mir konkrete Argumente, warum eine professionelle Webseite für Selbstständige und kleine Unternehmen sinnvoll ist (z. B. professionelles Image erzeugen, Informationen für Interessenten anbieten, sich von der Konkurrenz abheben). Eine Änderung habe ich nicht angefordert – bei einem Text für unter 6,00 Euro finde ich das nicht fair.

  • Der 4-Sterne-Text

Diesen Text zum Thema „Was sind Texte mit Mehrwert?“ wollte ich als Blogbeitrag veröffentlichen, stattdessen veröffentliche ich ihn hier. Inhaltlich war der 4-Sterne-Text in Ordnung. Für meine Ansprüche an Stil und Ausdruck müsste ich den Text noch überarbeiten. Der Text war länger als gefordert (332 Wörter statt geforderter 190 Wörter). Damit habe ich tatsächlich nur 1,3 Cent pro Wort bezahlt. Leider hatte die Autorin öfters „man“-Formulierungen verwendet. Im Briefing hatte ich geschrieben, dass diese vermieden werden sollten. Zuerst spielte ich mit dem Gedanken, den Text selbst zu verbessern, dann schickte ich ihn mit einem Änderungswunsch zurück. Das Preis-Leistungs-Verhältnis finde ich für diesen Preis angemessen.

Fazit

Ich bin überrascht, wie überrascht ich von dem Ergebnis des Texterbörsen-Tests bin. Eigentlich bestätigt der Test meine Meinung: Text-Qualität hat ihren Preis. In diesem Artikel erklärt Sabine Hutter, warum Billig-Texte nur in Ausnahmefällen eine gute Qualität haben können – und das nie auf Dauer. Insgeheim hatte ich wohl gehofft, dass ich für 12,00 Euro zumindest einen hochwertigen, gut recherchierten Text erhalten würde, den ich als Gastbeitrag auf meinem Blog veröffentlichen könnte. Leider entsprechen beide Texte nicht meinen Anforderungen an eine „gute Schreibe“. Damit möchte ich die Autoren der Texte jedoch nicht beleidigen. Denn welche*r Texter*in feilt schon ausgiebig an Sprache und Ausdruck eines Textes für 5,00 Euro?

Aus Auftraggebersicht fühlte es sich sogar falsch an, zu viel zu erwarten und zu kleinlich zu sein. Wenn ich Qualität brauche, möchte ich diese auch entsprechend entlohnen und keine*n Texter*in für 3 Euro pro Stunde „schuften“ lassen.

Natürlich kann ich aus diesem kleinen Test keine allgemeingültigen Schlussfolgerungen ziehen. Die Contentplattformen bieten verschiedene Funktionen, die zu besseren Ergebnissen führen können – z. B. „Team Orders“ und „Direct Orders“. Man kann sich also ein eigenes Team zusammenstellen oder direkt mit dem Autor oder der Autorin seiner Wahl zusammenarbeiten. Auch bietet Textbroker ein Korrektorat und Lektorat gegen einen Aufpreis an.

Für ein hohes Auftragsvolumen und Webseitenbetreiber*innen, die reine SEO-Texte benötigen, sind Texterbörsen nützlich und sinnvoll. Für mich eher nicht. Mir hat dieser Test mit der Contentplattform für einen groben Eindruck gereicht. In Zukunft schreibe ich meine Texte wieder selbst.

Nachtrag im Oktober 2014:

Im Oktober verschenkte Textbroker 5-Euro-Gutscheine. Diese Chance habe ich wahrgenommen und einen weiteren Text bestellt. Das Ergebnis ist ein Artikel, den ich in seiner Rohfassung gar nicht mal so schlecht finde – zumindest nicht für diesen Preis. Der Text kam von einem 3-Sterne-Autor. Ich habe ihn etwas überarbeitet und hier als Gastartikel veröffentlicht.

Links zu den Texten des Texterbörsen-Tests

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Contentbörsen gemacht?

5 Gedanken zu „Texterbörsen im Test: Meine Erfahrungen mit der Contentbörse“

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